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„Mystik ist unmittelbares geistiges Erleben“

Für Mystik gibt es an den kirchlichen Fakultäten der Hochschulen bislang noch keinen Lehrstuhl, und das zurecht. Mystiker kümmern sich nicht um Hierarchien – sie stellen sie sogar in Frage. Nach dem Tode der spanischen Mystikerin (und später anerkannten Kirchenlehrerin) Theresa von Avila im Jahr 1582 fand man einen Zettel in ihrem Gebetbuch, worauf stand: „Solo dio basta – Gott allein genügt“. 

Christliche Mystikerinnen und Mystiker waren keine sanften, weltentrückten Träumer, sondern oft kirchliche Provokateure, die durch ihre radikale Lebensweise und ihre Schriften bestehende Machtstrukturen erschütterten. Oft wurden sie verfolgt, getötet, verbrannt.
Die Kirche des Mittelalters und der Frühen Neuzeit basierte auf einer strengen Hierarchie: Das Heil gab es nur über die Sakramente und die Vermittlung durch Priester und Päpste. Mystiker wie Meister Eckhart brachen dieses Monopol. Sie lehrten, dass Gott im tiefsten Inneren jedes Menschen (im „Seelenfünklein“) direkt erfahrbar ist. Wer Gott in sich selbst findet, braucht keinen “bürokratischen Zwischenhändler” mehr. Das war kirchenpolitisch brandgefährlich und führte dazu, dass Eckhart postum der Häresie (Ketzerlehre) beschuldigt wurde.

Viele Mystiker lebten eine radikale Askese, die im krassen Gegensatz zum damaligen Reichtum der Amtskirche stand. In einer Zeit, in der Frauen in der Kirche absolut nichts zu sagen hatten und nicht predigen durften, bot die Mystik einen Ausweg. Frauen wie Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg oder Teresa von Ávila legitimierten ihre Stimme nicht durch eine männliche Weihe, sondern durch die direkte göttliche Offenbarung. Wenn Gott zu ihnen sprach, mussten selbst Bischöfe und Kaiser zuhören. Mechthild von Magdeburg kritisierte den Klerus in deutscher Sprache so scharf („Die Krone ist vom Haupte des Christentums gefallen“), dass sie fliehen musste, um dem Scheiterhaufen zu entgehen.

Mystik war also kein Rückzug aus der Welt, sondern oft die radikalste Form von Religions- und Gesellschaftskritik, die damals möglich war – getragen von der Überzeugung, dass die eigene innere Wahrheit schwerer wiegt als das Dogma der Institution.

Lerne in diesem Seminar einige bedeutende christliche Mystiker kennen, die diesen Weg konsequent (voran-)gegangen sind. Ein Mystiker der Neuzeit, der diese Pioniere zu seinen Vorbildern zählte und diesen Weg mit seinem Leben für uns bewusst gemacht hat, war unser Freund Werner Smigelski. Diese Einführung in die christliche Mystik am Wochenende soll einen ersten Schritt dieses Wegs aufzeigen, von damals und auch für die neue Zeit. Die mystische Form der Kontemplation findet sich in allen Weltreligionen. Die bekannteste Übung im Christentum ist in der Ost- und Westkirche das Jesus- oder Herzensgebet, welches durch die alten Wüstenväter bekannt wurde.

Erlebe ein wundervolles Wochenende in der grünen Eifel, an einem Ort mit hoher spiritueller Energie. Lass dich verwöhnen mit leckerer Vollwertkost, in komfortabler Unterkunft und magischen Momenten. Kontemplationsübungen, kleine Meditationen und spannende Geschichten über große Menschen begleiten dich auf deinem Weg direkt in dein Herz.

Inhalte u.a.:

• Das äußere und innere Leben der großen christlichen Mystiker
• Weg der Erkenntnis und Weg der Liebe
• Was bedeutet Unio mystica?
• Herzensgebet & Meditationen
• Die Lehre der Wüstenväter
• Mystiker der Neuzeit

Seminarleitung:
Andreas Dammer
& Tamara Stoiljkovic

Termin: 25.–28. März 2027

Freitag
16.00 Uhr Ankunft, CheckIn, Kennenlernen
18.00 Uhr Abendessen
Abschluss: Abendmeditation

Samstag
9.00 Uhr Frühstück
10.00 Uhr Einführung / christliche Mystiker, Heilige ihrer Zeit
12.30 Uhr Mittagessen
13.30 Uhr Zeit für innere Einkehr /Rückzug oder Gespräch
15.00 Uhr Seminarinhalte
18.30 Uhr Abendessen
Danach Rückzug oder Gespräch

Sonntag
9.00 Uhr Frühstück
10.00 Uhr Mystiker der Neuzeit
13.00 Uhr Mittagessen
14.00 Uhr Seminarinhalte, Reflektieren, Gespräch bei Kaffee & Kuchen
16.00 Uhr Abschied

KOSTEN:

Das Seminar ist kostenlos und findet auf freiwilliger Spendenbasis statt. *

Drei Übernachtungen im Einzelzimmer mit Vollverpflegung in Bio-Qualität
inkl. anteilig der Kosten für Miete von Seminarräumen und Zubehör:

€ 450

*Dieses Seminar ist eine Veranstaltung der gemeinnützigen Prof.-Dr.-Werner-Smigelski-Stiftung. Deine freiwillige Spende wird der Förderung von gemeinnützigen Projekten eingesetzt, ohne Gegenleistung. Sie wird mit einer Spendenquittung bescheinigt und kann i.d.R. steuerlich abgesetzt werden.

ANFRAGEN

FAQ

Der Begriff Mystik, der übersetzt „geheimnisvoll“ und/oder „Mund oder Augen schließen“ bezeichnet eine innere Versenkung, so wie im Gebet oder Meditation, mit dem Ziel, die Trennung zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst aufzuheben. Die mystische Erfahrung als Resultat solcher Bemühungen verlässt die Verhaftung an eine „persönliche“ Identität und geht in einen Zustand über, der mehr oder weniger nichtdualistisch erlebt wird. Es wird eine Einheit und eine gegenseitige Vernetzung mit allem Existierenden und Nichtexistierenden erfahren. Die Zeit- und Raumempfindung ist dabei aufgehoben, Grenzen zwischen verschiedenen Bewusstseinsfeldern verschwinden. Hier und Dort sind nicht getrennt, alles ist hier im gegenwärtigen Augenblick. Der Geist ist in der Lage, die Dualität des Seins wie Gut und Böse, Glück und Leid, Groß und Klein zu transzendieren. Wenn man es schafft, die Grundschwingung dieser mystischen Erfahrung zu verinnerlichen, kann man sie auf sein gesamtes Leben übertragen. Wie weit der Mensch dabei geht, hängt von seiner Suche und Bestimmung ab.

Der größte, den wir zu Lebzeiten kennengelernt haben, war Werner Smigelski. Er widmete sein Leben dem Studium Mystischer Schriften der Weltreligionen, insbesondere prägten ihn christliche Mystiker wie der Hl. Augustinus, Meister Eckehart, hl. Teresa von Avila sowie viele andere Heilige. Ihre Schriften waren wie ein Wegweiser auf seinem und unserem Inneren Weg.

Seminarleiter sind Andreas und Tamara, die sich dabei an den Schriften der großen Mystiker orientieren und versuchen, ihre Essenz in die Sprache der heutigen und künftigen Zeit zu “übersetzen” bzw. verständlich zu machen.

Bei den praktischen Übungen ist weniger das aktive, eher das passive Miteinander gegeben. Gerade bei den Mystik-Seminaren ist es wichtig, sich intensiver mit Religion auseinander zu setzen. Nicht in dem Sinne, wie die christliche Kirche es in hunderten von Jahren bis heute praktizierte, sondern im Sinne der Wörter „religio“ und „religare“. „Religio“ hat mehrere Bedeutungen, zum Beispiel Glaube, Heiligtum und Aberglaube, aber auch Gewissen, Gewissenhaftigkeit, Genauigkeit, Verpflichtung und Skrupel. „Religare“ heißt übersetzt zurückbinden, umbinden, anbinden, festbinden, losbinden. Sind beide Worte miteinander verbunden, erklären sie, was Religion ist: Die Bindung an einen Glauben, eine Rückbindung an einen Ursprung (Wer bin ich, wo komme ich her). Durch inneres Gebet, Kontemplation und Meditation fördern wir diese Rückbindung, wir besinnen uns darauf, wer oder was wir sind – in der Gruppe erfährt man eine Art Anleitung, den Weg nach Innen geht aber später jeder allein. Aktivisch kann es in der Gruppe bei den gemeinsamen Gesprächen gehen, der uns als Impulse für die spätere Praxis dienen können.